Insulinsensitivität, Körpergewicht, GLP-1-Achse
Stoffwechsel.
Inkretine, GLP-1-Agonisten und GH-Fragmente, die im Kontext von Typ-2-Diabetes, Adipositas und metabolischem Syndrom untersucht wurden. Enthält sowohl zugelassene Arzneimittel als auch experimentelle Substanzen.
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Semaglutid
Semaglutide
Semaglutid ist ein synthetisches Analogon des körpereigenen Inkretinhormons GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1). Es bindet mit hoher Affinität an den GLP-1-Rezeptor in Pankreas, ZNS und peripherem Gewebe. Im Pankreas verstärkt es die glukoseabhängige Insulinsekretion und hemmt die Glukagonfreisetzung. Im Hypothalamus wurden Effekte auf Sättigungszentren und Nahrungsaufnahme beschrieben. Durch chemische Modifikationen (C18-Fettsäure-Seitenkette) bindet Semaglutid reversibel an Albumin, was die Halbwertszeit auf ca. 7 Tage verlängert und eine einmal-wöchentliche Applikation ermöglicht.
Tirzepatid
Tirzepatide
Tirzepatid ist ein dualer Agonist an GIP- (Glucose-dependent Insulinotropic Polypeptide) und GLP-1-Rezeptoren. Es handelt sich um ein synthetisches 39-Aminosäuren-Peptid mit einer C20-Fettsäure-Seitenkette, die eine Bindung an Albumin und damit eine Halbwertszeit von ca. 5 Tagen ermöglicht. Die gleichzeitige Aktivierung beider Inkretinrezeptoren soll im Vergleich zu reinen GLP-1-Agonisten synergistische Effekte auf Insulinsekretion, Glukagonhemmung und Nahrungsaufnahme erzeugen. GIP-Rezeptoragonismus hat zusätzlich direkte Effekte auf Fettgewebe beschrieben.
Retatrutid
Retatrutide
Retatrutid ist ein Triple-Agonist an GIP-, GLP-1- und Glukagon-Rezeptoren (GGG-Agonist). Die zusätzliche Aktivierung des Glukagonrezeptors im Vergleich zu dualen GIP/GLP-1-Agonisten wie Tirzepatid soll den Grundumsatz erhöhen und die hepatische Fettverstoffwechslung intensivieren. Eli Lilly entwickelte das Peptid mit dem Ziel, alle drei Inkretinrezeptoren gleichzeitig zu adressieren. Die Selektivität und das Verhältnis der Rezeptoraktivierung wurde so gewählt, dass Hyperglykämie durch Glukagonagonismus minimiert wird.
Tesamorelin
Tesamoreline
Tesamorelin ist ein synthetisches Analogon des humanen GHRH (Growth Hormone-Releasing Hormone), bestehend aus dem vollständigen GHRH(1-44)-Peptid mit einer trans-3-hexenoic-Säure-Modifikation am N-Terminus. Diese Modifikation erhöht die Stabilität gegenüber enzymatischem Abbau durch Dipeptidylpeptidase IV (DPP-IV). Tesamorelin stimuliert die hypophysäre GH-Sekretion physiologisch-pulsatil, da es die endogene Rückkopplungsregulation über IGF-1 und Somatostatin erhält. Im Unterschied zu exogenem GH bleibt der physiologische Regulationsmechanismus intakt.
MOTS-c
Mitochondrial Open Reading Frame of the 12S rRNA-c
MOTS-c ist ein 16-Aminosäuren-Peptid, das im mitochondrialen Genom kodiert ist – eines von wenigen bekannten Peptiden mitochondrialen Ursprungs. Es wird aus dem 12S ribosomalen RNA-Gen transkribiert und translatiert. In präklinischen Studien wurde beschrieben, dass MOTS-c in Zellen und im Blut zirkuliert, in den Zellkern translozieren kann und dort Genexpressionsprogramme moduliert, die metabolische Anpassungen regulieren. Als postulierter Mechanismus wurde eine Aktivierung des AMPK-Signalwegs (AMP-aktivierte Proteinkinase) beschrieben – ein zentraler Regulator des Energiestoffwechsels. MOTS-c-Spiegel im Blut nehmen mit dem Alter ab, was Interesse für Longevity-Forschung erzeugt hat.
AOD-9604
Advanced Obesity Drug 9604
AOD-9604 ist ein synthetisches Peptidfragment, das dem C-terminalen Abschnitt des humanen Wachstumshormons (hGH, Aminosäuren 177–191) entspricht. In präklinischen Studien wurde beschrieben, dass dieses Fragment lipolytische (fettzellabbauende) Effekte in Adipozyten vermittelt, ohne die anabolen oder wachstumsfördernden Effekte des vollständigen GH-Moleküls auszulösen. Als postulativer Wirkmechanismus wurden Interaktionen mit Beta-3-adrenergen Rezeptoren auf Fettzellen beschrieben. GH-Rezeptorbindung und IGF-1-Stimulation fehlen aufgrund der fehlenden GH-Bindungsdomäne.
GHRP-6
Growth Hormone Releasing Peptide-6
GHRP-6 ist das erste synthetische Wachstumshormon-Sekretagogon (GHS) und Prototyp der GHRP-Klasse. Als potenter GHS-R1a-Agonist löst es pulsatile GH-Ausschüttung aus der Hypophyse aus. Charakteristisch für GHRP-6 ist eine ausgeprägte ghrelinmimetische Wirkung im Hypothalamus, die neben GH-Freisetzung eine starke Appetitstimulation über NPY- und AgRP-Neuronen vermittelt. Dieser Appetit-Effekt unterscheidet GHRP-6 klinisch von selektiveren GHRPs wie Ipamorelin. GHRP-6 steigert ebenfalls Cortisol und Prolaktin, stärker als GHRP-2.
Survodutid
Survodutide
Survodutid ist ein dualer Agonist an Glukagon- und GLP-1-Rezeptoren. Die GLP-1-Komponente fördert die glukoseabhängige Insulinsekretion und das Sättigungsgefühl, während die Glukagon-Komponente den Energieverbrauch und die hepatische Fettverstoffwechslung steigern soll. Ziel dieser Kombination ist eine über reine GLP-1-Agonisten hinausgehende Gewichtsreduktion sowie ein günstiger Effekt auf die Leber.
Mazdutid
Mazdutide
Mazdutid ist ein dualer Agonist an GLP-1- und Glukagon-Rezeptoren, abgeleitet von Oxyntomodulin (OXM). Die GLP-1-Wirkung steuert Insulinsekretion und Appetit, die Glukagon-Wirkung soll Energieverbrauch und Leberfettstoffwechsel adressieren. Die Substanz wird vor allem im asiatischen Raum (Innovent/Eli Lilly) für Adipositas und Typ-2-Diabetes entwickelt.
Cagrilintid
Cagrilintide
Cagrilintid ist ein langwirksames Analogon des Hormons Amylin, das gemeinsam mit Insulin von den Betazellen der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet wird. Es wirkt an Amylin- und Calcitonin-Rezeptoren und beeinflusst Sättigung, Magenentleerung und Nahrungsaufnahme. Untersucht wird Cagrilintid vor allem in Kombination mit dem GLP-1-Analogon Semaglutid (Kombination „CagriSema“), um additive Effekte auf das Körpergewicht zu erzielen.
Somatropin (HGH)
Somatropin
Somatropin ist rekombinant hergestelltes humanes Wachstumshormon (hGH), ein 191-Aminosäuren-Protein, das in Aufbau und Wirkung dem körpereigenen hypophysären Wachstumshormon entspricht. Es bindet an den Wachstumshormonrezeptor und vermittelt seine Effekte teils direkt, teils über die Freisetzung von IGF-1, vorwiegend in der Leber. Beschrieben sind Effekte auf Längenwachstum (im Kindesalter), Proteinsynthese, Lipolyse und Kohlenhydratstoffwechsel.
Erythropoetin (EPO)
Erythropoetin
Erythropoetin (EPO) ist ein glykosyliertes Proteinhormon (165 Aminosäuren), das überwiegend in der Niere gebildet wird. Es bindet an den EPO-Rezeptor auf erythroiden Vorläuferzellen im Knochenmark und stimuliert deren Überleben, Teilung und Reifung zu roten Blutkörperchen. Dadurch steigt die Sauerstofftransportkapazität des Blutes. Rekombinantes EPO (Epoetin) ahmt diese physiologische Wirkung nach.
Humanin
Humanin
Humanin ist ein kurzes, mitochondrial kodiertes Peptid (mitochondrial-derived peptide, MDP), das aus einer Leserahmen-Region der 16S-rRNA der Mitochondrien stammt. Ihm werden zytoprotektive und antiapoptotische Eigenschaften zugeschrieben, unter anderem über Interaktionen mit Rezeptorkomplexen und Bcl-2-assoziierten Signalwegen. In präklinischen Modellen wurde Humanin im Kontext von neuronalem Schutz, Insulinsensitivität und Alterungsprozessen untersucht. Das synthetische Analogon HNG weist eine verstärkte Aktivität auf.
Adipotide
Adipotide
Adipotide ist ein Peptidomimetikum aus zwei Funktionsteilen: einem Zielsegment, das an Prohibitin auf der Oberfläche der Blutgefäße des weißen Fettgewebes bindet, und einem proapoptotischen Segment (D(KLAKLAK)₂). Nach Bindung soll es gezielt die Apoptose dieser Gefäßzellen auslösen und so die Blutversorgung des Fettgewebes unterbrechen. In Tiermodellen führte dies zu einem Rückgang von Fettmasse. Der Ansatz unterscheidet sich grundlegend von Appetit- oder Stoffwechsel-modulierenden Peptiden.
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